mundo b – eines von fünf Umwelthäusern in Belgien

Eine Delegation des Projektbeirats sowie anderer Interessierter hat am 6.5.2019 das „mundo b“ in Brüssel besucht. „mundo b“ ist eines von mittlerweile 5 mundo-Häusern in Belgien in denen Umwelt- bzw. Jugendverbände unter einem Dach arbeiten.

Fünf Häuser? Alleine in Belgien? Richtig – wenn man sich die Erläuterungen der Marketingleiterin Eline Vandermeiren anhört ist das ein echtes Erfolgsmodell – sowohl für die Nutzer als auch für die Betreiber. Vier der fünf Häuser gehören EPE (Ethical Property Europe), das fünfte ist gemietet. Alle haben eine gute Erreichbarkeit mit ÖPNV, sind ökologisch saniert und bieten eine Vielzahl von Serviceleistungen für die Mieter. Eine Blaupause also für „Umwelt ins Zentrum“?

„mundo b“ war das erste Haus dieser Art. Es wurde 2008 von EPE erworben und wird nach einer Sanierung seit 2009 genutzt. Auf einer Fläche von etwa 3.600 qm haben 38 Gruppen ihre Bleibe. Weitere Nutzer sind nur zeitweise anwesend und können in „shared spaces“ arbeiten. Sie nutzen Büroflächen, Konferenzbereiche, Rezeption, gemeinsame Büroinfrastruktur, einen eigenen Kurierdienst u.v.m.. Dazu kommt ein Restaurant im Haus, das von einem externen Pächter betrieben wird und auch für Gäste offen steht.

Beim Rundgang durch das Gebäude kommt man zunächst in das große, helle und freundlich gestaltete Restaurant. Die Bürobereiche liegen in den Obergeschossen und sind entweder über einen Aufzug oder durch ein schmales Treppenhaus zu erreichen. Auf allen Etagen gibt es kleine Teeküchen. Auffällig ist der sehr einfache Standard dieser Bereiche. Die Büroflächen sind zumeist Großraumbüros in denen die Schreibtische dicht gedrängt nebeneinander stehen. Die Lüftungsleitungen hängen offen unter der Decke, einfache Schallschutzelemente sind offen an die Decke geschraubt.

Wie arbeitet es sich in einem solchen Haus? Beklagt wird tatsächlich die räumliche Enge und der hohe Lärmpegel in den Räumen. Es gibt zu wenige Bereiche in den man ungestört telefonieren kann, manche Mitarbeiter nutzen Kopfhörer bei der Arbeit um sich besser konzentrieren zu können. Andererseits will kaum jemand die Möglichkeit des miteinander Arbeitens missen. Die Häuser in Brüssel sind zu 100% vermietet. Wenn ein Mieter das Haus verlässt, dann meistens weil er in einem anderen mundo-Haus größere Flächen anmieten kann, so sagt es jedenfalls Marketingleiterin Eline Vandermeiren. Und sie sagt auch, dass es für die Nutzer identitätsstiftend sei in einem mundo-Haus zu arbeiten.

Wie aber funktioniert so ein Modell unter wirtschaftlichen Aspekten? EPE finanziert die Häuser durch Beteiligungen, die als ethisch einwandfreies Investment beworben und mit 2-3% verzinst werden, sowie durch Bankkredite, vorzugsweise bei Banken mit entsprechender Ausrichtung. Ein kleiner Teil kommt durch Crowdfunding zusammen. Einkünfte werden hauptsächlich durch die Vermietung erreicht. So beträgt die Kaltmiete in „mundo-b“ 18-22€/m². Wenn die genannten Serviceleistungen ebenfalls genutzt werden sollen wird eine Miete von 38€/m² fällig.

Ein altes Gebäude (60er Jahre), einfacher Standard und dafür eine Miete von bis zu 38€/m². Auch wenn man die Serviceleistungen berücksichtigt, kann man sich vorstellen, dass auch ein Umwelthaus rentabel betrieben werden kann. EPE demonstriert dies übrigens nicht nur in Belgien – in Großbritannien hat man aktuell 9 Häuser, in Frankreich 5. Im Augenblick ist EPE so ausgelastet, dass eine Ausweitung des Modells nach Deutschland nicht geplant ist.

Ein „mundo-d“ unter der Leitung von EPE wird es also so bald nicht geben, aber vielleicht lohnt der wirtschaftliche Ansatz einer genaueren Betrachtung.

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